GW

Touristen im Zeichen der Rose

Aneta Augustyn, Gazeta Wyborcza, 22.05.2006

Einige Hundert deutsche Gäste kamen zum Wochenende ins Glatzer Land, um das 125-jährige Jubiläum ihrer touristischen Organisation zu feiern. Der GGV - Glatzer Gebirgs-Verein ist in Deutschland weiterhin tätig.

1881 trafen sich in der Taverne am Glatzer Ring einige Begeisterte. Enthusiasten des Glatzer Landes und redliche Geschäftsleute waren sich darüber im Klaren, dass der Tourismus zur Entwicklung dieser Region beitragen würde. Am Beispiel der alpinen Vereine gründeten sie den GGV, den Glatzer Gebirgs-Verein.

Sie förderten ihn in verschiedenster Weise: Sie bauten Aussichtstürme und Bauden (wie die z.B. heute nach wie vor bestehende Brandbaude am Pass bei Brand/Spalona), kennzeichneten touristische Attraktionen, markierten und pflegten über 1.000 km Wanderwege, schulten Bergführer, führten Ausflüge und betreuten die Pflanzenwelt; sie gaben Wanderkarten- und Wanderführer heraus, die bis heute in Übersetzungen vorliegen. Die ungewöhnlich straff geführte Organisation zählte zwischen den Weltkriegen über 10.000 Mitglieder, auch aus Breslau und Berlin.

Die Führung des GGV traf sich 1944 zum letzten Male in der Taverne.

Kurz danach nannte sich Glatz nunmehr Kłodzko und die bisherigen Bewohner der Region verließen ihre Häuser. Zerstreut in Niedersachsen beschlossen sie die Idee des GGV fortzuführen. Über 1.000 Deutsche unterstützen diese Glatzer Tradition. In Braunschweig, den Sitz der Organisation, treffen sie sich jeden zweiten Samstag in der Heimatstube. In dem mit Glatzer Erinnerungsstücken ausgefüllten Raum reden sie miteinander in ihren Glatzer Vorkriegsdialekt, berichten aus ihren Familien, feiern Fasching und die Glatzer Kirmes, geben eine Zeitschrift heraus, führen eine Internetseite, planen die gemeinsamen Ausflüge in ihr nun fast 700 km entferntes "Kleines Heimatland". So wie im 19. Jh. tragen sie ihre Abzeichen und Krawatten mit der Glatzer Rose, dem Symbol des GGV.

Am Samstag kamen sie nach Kłodzko (Glatz), um am Gebäude der damaligen Taverne zur Erinnerung eine Tafel anzubringen. - Als ich vor einem Jahr den Bürgermeister von Kłodzko um seine Zustimmung bat, stimmte er unserer Idee zu - erzählt Christian Drescher, der 35-jährige Ingenieur und Vorsitzende des GGV aus Braunschweig, ein Nachfahre von Michael Klahr. Der bekannte Bildhauer des Schlesischen Barock wurde in Bielice (Bielendorf) unweit von Glatz geboren. Christians Familie lebte dort einige hundert Jahre, sie verließ das Dorf mit dem Ende des zweiten Weltkriegs.

- Es ist die schönste Landschaft, die ich je gesehen habe - berichtet der Deutsche über das Bergdorf seiner Familie, das er schon über 20 mal besuchte. Immer herzlich willkommen, nächtigt er im Ort.

Die ehemaligen Bewohner des Glatzer Landes verbringen hier noch einige Tage. Sie treffen sich mit den regionalen Behörden und besuchen stille Winkel, an die sie sich von Kindheit an erinnern. Die älteren Herrschaften mit ihren Rucksäcken, Wander- und Trekkingstöcken haben sich für heute einen mehrere Kilometer langen Weg auf den Höhen bei Nowa Ruda (Neurode) vorgenommen, wo sie ein Bäumchen der Freundschaft pflanzen wollen.

Aneta Augustyn

Text entstammt dem Portal Gazeta.pl - www.gazeta.pl © Agora SA

Übersetzt von: Horst Wolf, Bad Hersfeld