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Kultur und Geschichte
der Grafschaft Glatz (Schlesien)

Unsere Bauden und Aussichtstürme

Unsere Bauden

Wohl jeder Grafschafter der sogenannten Erlebnisgeneration kannte die eine oder die andere Baude in unserer Heimat, vielleicht auch mehrere, aber wer kannte sie alle und weiß, wie viele Bauden es in der Grafschaft Glatz gab und wo sie alle lagen? Im Lexikon der Grafschaft Glatz von Alois Bernatzky (Marx Verlag Leimen 1994, heute: Grafschafter Bote, Lüdenscheid) sind 43 Bauden namentlich aufgeführt, 18 davon mit Abbildungen. Diese Reihe wird von Bernatzky in der Landeskunde der Grafschaft Glatz (Marx Verlag Leimen 1988) noch um zwei weitere Bauden erweitert, so daß wir davon ausgehen können, daß es in unserer Heimat mindestens 45 Bauden gab, die dem leiblichen Wohl der Wanderer und Wintersportler in der Grafschaft Glatz dienten und Übernachtungsmöglichkeit boten.
Bruno Neugebauer gab uns mit seinem Beitrag „Türme und Bauden im Glatzer Lande“ im Glatzer Heimatbuch Band 4 „Vom Schneeberg zur Hohen Eule“ (Marx Verlag Leimen 1975) einen Überblick über die bekanntesten Bauden unserer Heimat, wobei er betont, daß diese Übersicht nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit hat. Er meint „Bauden müssen sein, nicht nur um dem Besucher Erquickung und Unterkunft zu bieten, sondern auch, um eine verkehrsarme Gegend zu erschließen. Eine Baude muß nach Stil und Aufmachung sich der Landschaft und dem Volkstum dieser Landschaft anpassen. Das ist im größten Teil der Grafschafter Bauden der Fall.“
Hier soll nun der Versuch gemacht werden, alle von Bernatzky alphabetisch aufgeführten Bauden nach ihrer geographischen Lage in der Grafschaft quasi auf dem Wege einer imaginären Rundwanderung anzusprechen, sofern sich darüber in dem mir zugänglichen Heimatschrifttum überhaupt etwas finden ließ.

Schneiderbaude hei Glatz
Schneiderbaude bei Glatz (Zajazd Kukułka)

Unsere Baudenwanderung beginnen wir in Glatz, der Metropole der Grafschaft Glatz mit der Schneider-Baude. Nachdem die alte Schneiderbaude, eine ganz aus Holz bestehende am Wege zum Königshainer Spitzberg im Wald gelegene einfache Baude nicht mehr den wachsenden Bedürfnissen und Anforderungen entsprach, wurde etwas unterhalb, aber oberhalb des Focke-Busches, eine große, komfortable neue Baude nach dem Entwurf des Architekten Ferche aus Glatz gebaut, von der man einen prächtigen Blick auf Glatz und seine Umgebung hat. Nach ihrem Erscheinungsbild bei meinem letzten Besuch zu urteilen, muß ihr Schicksal ungewiß erscheinen.
Dem Kamm des Reichensteiner Gebirges nach Osten folgend stand auf seiner höchsten Erhebung, der Heidelkoppe, in 900 m Höhe das Ende der 1920er Jahre vom Mährisch-Schlesischen Gebirgsverein in Jauernig unter Mitwirkung des GGV errichtete Heidelkoppen-Schutzhaus. In ihm befand sich eine ..Paul Keller-Ecke“, in der sich Paul Keller bei seinen Kuraufenthalten in Bad Landeck öfter und gern aufhielt.

Heidelkoppen-Schutzhaus
Heidelkoppen-Schutzhaus

Das Schutzhaus, das durchaus Baudencharaktcr hatte, wurde in den Nachkriegswirren zerstört. Wie und durch wen, ist mir unbekannt. Kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde im Gebiet der Rösselkoppe (851 m) bei Bad Landeck die Rösselkoppen-Baude errichtet, die durch die baldige Kriegszeit kaum über den lokalen Bereich hinaus bekannt geworden ist.
Im schönen Klessengrund befand sich in ca. 700 m Höhe die insbesondere bei Breslauer Touristen und vor allem im Winter viel besuchte und beliebte Rauhreif-Baude.

Rauhreifbaude Kiessengrund
Rauhreifbaude Kiessengrund

Die wohl älteste, höchstgelegene und bekannteste Baude der Grafschaft Glatz ist die Schweizerei unterhalb des Glatzer Schneeberges in 1214 m Höhe. Ursprünglich von der Prinzessin Marianne der Niederlande als Sennereibetrieb im Jahre 1871 erbaut, dem ein echter Schweizer als Senn vorstand, entwickelte sie sich zu einer sommers wie winters stark frequentierten Baude, in der sich auch die höchstgelegene Poststelle Preußens befand. So war der letzte Baudenwirt, Artur Prasse, gleichzeitig Postbeamter. Die Schweizerei ist heute noch als Jugendzentrum in Betrieb, wenngleich auch etwas verkommen.

Schneeberg-Schweizerei
Schneeberg-Schweizerei (Schronisko Na Śnieżniku)

Unweit vom Gipfel des Glatzer Schneeberges (1425 m) befand sich schon auf tschechischer Seite nahe der Marchquelle in 1380 m Höhe das Liechtenstein-Schutzhaus, eine vom Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsverein 1912 errichtete große, behagliche Baude. Sie wurde gern als Aufwärmquelle im Winter aufgesucht, nicht zuletzt wegen des guten böhmischen Bieres. Sie existiert nicht mehr. Nur Reste der Grundmauern künden noch von der Existenz dieser markanten, massiven und beliebten Baude. Über die Umstände ihres Verschwindens ist mir nichts bekannt. (Bild siehe „Grofschoaftersch Häämtebärnla“ 2002, S. 21)
Noch zur Schneeberg-Region gehörend ist die an der Straße von Habelschwerdt nach Landeck in 940 m Höhe gelegene Puhu-Baude in Heudorf unterhalb des Schwarzen Berges (1205 m). Durch Ausbau eines früheren Straßenwirtshauses ist sie eine unserer beliebtesten Gebirgsbauden geworden, ausgezeichnet durch gepflegte Gastlichkeit und behagliche Gaststuben mit schöner Fernsicht. Auch sie existiert heute nicht mehr. Warum und wieso ist mir unbekannt. Heute zeugen noch die Grundmauern von dieser schönen Baude.

Puhu-Baude
Puhu-Baude (Schronisko na przełęczy Puchaczówka)

Puhu-Baude Innenansicht
Puhu-Baude Innenansicht

Der Ort mit den meisten Bauden war wohl Grunwald, das höchste Kirchdorf Preußens im Adlergebirge, gern besucht wegen seiner guten Wintersportmöglichkeiten. Einen Bericht über die Entwicklung dieses früher sehr armen, abgelegenen Dorfes zum „Baudendorf“ hat uns ein alter Grunwalder anläßlich seines Besuches in der Heimat mit dem Beitrag „Eine Dorfgeschichte“ in „Grofschoaftersch Häämtebärnla“ 1998 gegeben.
Die größte, modernste und bekannteste Baude in Grunwald war die etwas abseits vom Ort in bevorzugter Aussichtslage in 975 m Höhe gelegene 1928 vom Glatzer Gebirgs-Verein (GGV) erbaute Hindenburg-Baude (siehe „Grofschoaftersch Häämtebärnla“ 2003, S. 19, 2002, S. 7 und 1998, S. 132). Nach Bruno Neugebauer „ein Musterbeispiel dafür, wie sich heimatverwurzelter Baustil mit neuzeitlicher Bequemlichkeit harmonisch verbinden läßt“. Sie ist nach dem Kriege unter unklaren Umständen abgebrannt. Man hat heute Mühe, ihre Grundmauern zu finden.

Hindenburg-Baude
Hindenburg-Baude

Hindenburg-Baude Innenansicht
Hindenburg-Baude Innenansicht

Gleich neben der Kirche liegt die Adler-Baude, die ihre Herkunft von einem Bauernhaus noch gut erkennen läßt. Sie ist heute noch in Betrieb und wird von Touristen gern aufgesucht.
Direkt an der Dorfstraße gelegen ist die Ritter-Baude. Auch diese aus dem früheren Gasthaus zur Mense hervorgegangene Baude war sehr beliebt und meist gut frequentiert. Oberhalb des Ortes am Waldrand lag der Berghof Rübartsch, eine kleine aber sehr beliebte Baude, ausgezeichnet durch eine exzellente Fernsicht auf die Seefelder und das Habelschwerdter Gebirge.
In ähnlich schöner Lage, aber etwas mehr abseits, stand die auch Kammbaude genannte Grunwald-Krone.
Etwas unterhalb der Hohen Mense (1084 m) nahe der Landesgrenze lag mitten im Wald die urige Mense-Baude, erbaut vom alten Rübartsch, der wegen seiner markanten Persönlichkeit allgemein „Rübezahl“ genannt wurde. Eine gern getrunkene Spezialität der Baude war der „Affentaler“, ein selbstgekelterter Heidelbeerwein, heiß getrunken ein vorzügliches Mittel zum Aufwärmen und gegen Erkältungen. Auch diese eigenartige Baude existiert nicht mehr. Sie ist 1948 abgebrannt (worden?).

Hohe Mense-Baude mit Turm
Hohe Mense-Baude mit Turm (Schronisko i wieża widokowa na Orlicy)

Auch wenn sie schon auf tschechischem Boden lag, sollte in diesem Zusammenhang auch die Schierlichmühle genannt werden, eine beliebte Raststätte bei Wanderungen im Gebiet der Hohen Mense.
Ebenso gehört hierher auch die anspruchsvollere Sudeten-Baude (früher Masaryk-Baude). Etwas exponiert am Aufstieg zur Deschneyer Koppe, der höchsten Erhebung des Adlergebirges gelegen (1114 m). Diese komfortable in 1010 m Höhe gelegene Baude wurde bei Rundwanderungen von Grunwald aus gern mit aufgesucht.

Sudeten-Baude im Winter
Sudeten-Baude im Winter (Masarykova chata)

An der Straße von Grunwald nach Reinerz liegt die bekannte und gut besuchte Ziegenhaus-Baude in 706 m Höhe, deren Name von einer früheren Ziegen-Melkerei herrührt, als man Ziegenmilch noch als besonderes Kurmittel in Bad Reinerz verordnete. Das Haus ist heute noch in Betrieb und um einen Ferienpark erweitert.

Ziegenhaus-Baude im Winter
Ziegenhaus-Baude im Winter (schronisko na Koziej Hali)

Eine beliebte Einkehr mit Baudencharakter war das Grillenhäusel im Kohlauer Tal bei Bad Reinerz unweit der großen Sprungschanze.

Grillenhäusel im Winter
Grillenhäusel im Winter (Dom Wypoczynkowy Bożena)

Von Bad Reinerz aus gern besucht war die Stille Liebe-Baude in schöner Aussichtslage in 680 m Höhe. Sei ist heute noch in Betrieb und bietet angenehmen Aufenthalt mit guter Küche. Übrigens gab es auch noch eine Stille Liebe-Baude bei Bad Altheide.

Stille Liebe-Baude bei Bad Reinerz
Stille Liebe-Baude bei Bad Reinerz (Schronisko Pod Muflonem)

Die dominierende Baude im Habelschwerdter Gebirge war die Brand-Baude in 815 m Höhe an der Abzweigung der Sudetenstraße von der serpentinenreichen Verbindungsstraße zwischen dem Erlitztal und Habelschwerdt. Dieses ehemals Hartmannsche Straßenwirtshaus wurde 1927 von der GGV-Ortsgruppe Habelschwerdt gekauft und nach großzügigem Umbau zur Baude 1933 eröffnet. Sie steht heut noch fast unversehrt der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Brand-Baude
Brand-Baude (Schronisko PTTK Jagodna)

Weniger bekannt und mehr von regionaler Bedeutung wegen ihrer abseitigen Lage im Habelschwerdter Gebirge waren die Zobel-Baude in Dintershöh, die Hermann Stehr-Baude bei Hüttenguth und die Ranser-Baude bei Neulomnitz.
An der Straße von Bad Kudowa zur Heuscheuer lag die Rabenkoppen-Baude bei Dörnikau, aber nicht, wie der Name vermuten läßt, im Koppenbereich, sondern im Dörnikauer Tal.

Rabenkoppen-Baude
Rabenkoppen-Baude

Im Heuschergebirge thronte auf dem Felsen-Labyrinth der Großen Heuscheuer (919 m) die Schweizerei. Sie hatte ihren Namen von ihrem Schweizerhaus-Baustil, denn hier oben war jeder Sennerei-Betrieb unmöglich. Sie war wegen ihrer exponierten und nur mühsam erreichbaren Lage mehr eine Raststätte als eine Baude. Von ihr hatte man eine wunderschöne Aussicht auf das Braunauer Ländchen und das Riesengebirge. Bei meinem letzten Besuch 1992 machte die Schweizerei einen so desolaten Eindruck, daß ein Abbruch ihr Schicksal zu werden schien. Als Übernachtungsmöglichkeit bot sich am Fuß der Heuscheuer in Karlsberg das Gasthaus zur Heuscheuer von Stiebler an, das Baudencharakter hatte.

Schweizerei auf der Heuscheuer
Schweizerei auf der Heuscheuer (Schronisko PTTK Na Szczelińcu)

Im Umfeld von Neurode ist die Anna-Baude auf dem Annaberg (647 m), der viel besuchten Wallfahrtsstätte der Anna-Selbdritt, zu erwähnen.

Anna-Baude auf dem Annaberg bei Neurode (links)
Anna-Baude (Schronisko na górze Świętej Anny) auf dem Annaberg bei Neurode (links)

Mehr lokale Bedeutung hatte die Lukas-Baude neben dem Moltketurm auf dem Allerheiligenberg bei Schlegel (648 m).

Lukas-Baude bei Schlegel mit dem Moltke-Turm
Lukas-Baude bei Schlegel mit dem Moltke-Turm (Schronisko Lucas i wieża widokowa)

Über die bekannteren Bauden im Gebiet der Hohen Eule (1014 m), der höchsten Erhebung des Eulengebirges, finden wir in dem Buch „Heimat Schlesien – Glätzisch Falkenberg und Eule“ (Verlag Grafschafter Bote) unseres Kalendermannes Hubert Hübner in dem Kapitel „Schlesisches Baudenleben“ eine Fülle von interessanten und originellen Informationen über Lage und Entstehung dieser Bauden.
Auf der Paßhöhe der Straße zwischen Glätzisch- und Schlesisch Falkenberg stand praktisch auf der Kreisgrenze in 750 m Höhe die Grenz-Baude. Ihre Existenz ist anhand der Poststempel alter Ansichtskarten bereits 1909 nachweisbar.

Grenzbaude
Grenzbaude

In ihrer Nähe lag eine große Sprungschanze, die alljährlich Tausende von Zuschauern anzog. Die Grenzbaude wurde als erste der Bauden dieser Region nach dem Krieg abgerissen.

Zimmermann-Baude rechts hinten, Kreuzbaude links oben
Zimmermann-Baude rechts hinten, Kreuzbaude links oben

Am Hausdorfer Kreuz stand in 800 m Höhe die bekannte Zimmermann-Baude. Ihre Entstehung geht auf den schlesischen Textil-Fabrikanten Theodor Zimmermann zurück, der schon 1895 neben dem Hausdorfer Kreuz einen Holzbau im Baudenstil errichten ließ. Dieser wurde im Laufe der Jahre entsprechend den gewachsenen Bedürfnissen zu einer großen, massiven Baude erweitert. Auch diese beliebte Baude ist verschwunden. (Siehe auch „Grofschoftersch Häämtebärnla“ 2003, S. 145)
Am sogenannten Plänel am Kreuz, wo die Straße von Glätzisch Hausdorf nach Steinkunzendorf in 800 m Höhe den Eulenkamm überquert, stand die Kreuz-Baude, ein beliebter Ausgangspunkt für Eulengebirgs-Kammwanderungen im Sommer wie im Winter. Auch sie steht heute nicht mehr.
Die größte und höchstgelegene Baude im Eulengebirge ist die 1931 erbaute Bismarck-Baude in 912 m Höhe am Südhang der Hohen Eule oberhalb der Straße Grenzbaude - Wüstewaltersdorf. Im „Häämtebärnla“ 2002 berichten D. Thomas, H. Rosentalski und Hubert Hübner mit dem Beitrag „Die Bismarckbaude und ihre wechselvolle Geschichte“ über diese Baude bis in unsere Tage. (Bilder siehe „Grofschoaftersch Häämtebärnla 2002“, S. 138)
Am Ausgang des Euledörfels am Wege zur Hohen Eule steht in 880 m Höhe in schöner Aussichtslage die 1897 errichtete Eulen-Baude. Das „Häämtebärnla“ hat ihrer 1997 anläßlich ihres 100. Jubiläums gedacht. Sie hat zwar den Krieg und die Nachkriegswirren überstanden und danach zeitweise als Kinder-Erholungsheim gedient, doch war sie 1996 in einem desolaten Zustand, alle Fenster mit Brettern vernagelt, so daß sich die Frage stellt, ob sie jemals wieder zum Leben erwachen wird? (Die einst beliebten großflächigen Liegewiesen vor der Baude, auf denen sich im Winter Tausende von Skifahrern tummelten, sind heute bewaldet. Dadurch wird nicht nur die Aussicht beeinträchtigt, sondern auch der Touristenbetrieb ganz allgemein. Zur Zeit bemüht sich Tomas Herha, Volpersdorf, die Baude zu renovieren. Erfreulicherweise sind erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Die Red.)

Eulen-Baude
Eulen-Baude

Im unteren Bereich des Euledörfels stand die weithin bekannte und sehr beliebte Müllermax-Baude in 850 m Höhe. Ihr Ursprung war die aus einem umgebauten Weberhaus entstandene und 1922 eröffnete „Müllerbaude“. Da sie trotz zahlreicher Um- und Erweiterungsbauten bald nicht mehr den steigenden Ansprüchen der Gäste genügte, wurde schon Ende der 20er Jahre eine neue, größere und schönere Baude gebaut und nach dem Sohn und späteren Besitzer und Baudenwirt Heinz Max Müller, einem gebürtigen Breslauer, Müllermax-Baude benannt. (Siehe auch „Grofschoaftersch Häämtebärnla“ 2003, S. 124)

Müllermax-Baude im Winter
Müllermax-Baude im Winter (Dom Wypoczynkowy Lucynka)

In dem zuvor genannten Buch „Heimat Schlesien – Glätzisch Falkenberg und Eule“ findet sich eine interessante Abhandlung über die Müllermax-Baude mit Fotos über den Wandel ihres Aussehens im Laufe der Jahre. Heinz Max Müller hat ihr nach der Vertreibung das Büchlein „Der lange Weg zur Müllermax-Baude“ (Marx Verlag Leimen 1981) gewidmet, in dem er etwas weitschweifig über Geschichte und Schicksal der Baude berichtet. Obwohl sie den Krieg und die Wirren der Nachkriegszeit gut überstanden und von den Polen nachweislich bis mindestens 1973 auch als Baude benutzt wurde, erlitt sie schließlich das Schicksal vieler anderer Bauden unserer Heimat. Heute zeugen nur noch die völlig überwucherten Grundmauern von dieser einst so schönen und gemütlichen Baude.
Heinz Max Müller stellt in seinem Büchlein abschließend die Frage, was eigentlich das Besondere an unseren Bauden gewesen ist und was sie so anziehend gemacht hat. Er meint, daß es für einen, der nie eine Baude kennengelernt hat, sehr schwer ist, dieses zu begreifen.

Mit den hier aufgeführten Bauden, die ich fast alle persönlich kannte, konnte nur zu einem Teil unserer Bauden etwas gesagt werden. Leider ließ sich über einen großen Teil der von Bernatzky aufgeführten Bauden der Grafschaft Glatz, die mir zum Teil nicht einmal dem Namen nach bekannt waren, in dem mir zugänglichen Heimatschrifttum nichts finden. Der Vollständigkeit halber sollen sie aber hier wenigstens dem Namen nach in alphabetischer Reihenfolge mit aufgeführt werden:

  • Birkenstein-Baude (im Bielengebirge),
  • Forsthaus Besser-Baude (bei Friedersdorf),
  • Franziska-Baude (in Hausdorf) *),
  • Grenzendorfer Höhen-Baude (bei Reinerz),
  • Hahnenkoppen-Baude (auf dem Hahnvorwerk bei Silberberg),
  • Hohndorfer Gebirgsbaude (in Hohndorf),
  • Hubertus-Baude (bei Rothflössel),
  • Jakob-Baude (in Glasegrund),
  • Kressenbachtal-Baude (in Voigtsdorf),
  • Leedenbaude (Kunzendorf b. Neurode),
  • Margareten-Baude (bei Reinerz),
  • Neundorfer-Baude (bei Lauterbach),
  • Neumühlen-Baude (bei Hausdorf),
  • Saalwiesen-Baude (in Bielendorf),
  • Spitzberg-Baude (am Königswalder Spitzberg),
  • Thanndorf-Baude (in Thanndorf),
  • Tunnel-Baude (in Keilendorf),
  • Zeisigwiesen-Baude (bei Reinerz).

So ergeht abschließend an die Leser dieser Abhandlung über die Bauden unserer Heimat die Bitte, mich zu unterrichten, wenn sie etwas über die vorgenannten Bauden sagen können und evtl. sogar Fotos davon haben. Vielleicht läßt sich damit die Kenntnis über unsere Bauden noch etwas erweitern und die Erinnerung daran auffrischen.

*) Wurde während des Krieges als Unterkunft für „Arbeitsmaiden“ (weibl. Reichsarbeitsdienst), die bei Bauern in und um Hausdorf eingesetzt waren, genutzt. Die Red.

Prof. Dr. Heinz Marx (Glatz), Mainz

aus: Grofschoaftersch Häämtebärnla 2004

 

Unsere Aussichtstürme und Bauden

Zur Einstimmung auf dieses Thema sollen die beiden sinnigen Gedicht-Verse von Erhard Gertler aus dem „Häämtebärnla“ 1999 dienen:

„Von unseren Türmen laßt uns schauen
Auf unsere liebe Mutter Erde.
Daß sie in tiefem Gottvertrauen
Uns innere Heimat bleibt und werde.
So wird sie niemals mehr uns ferne,
Von Turm zu Turm uns Nähe winkt.
O Heimat, Dich hat jeder gerne,
Der Deinen Odem riecht und trinkt.“

Ja, es sind bzw. waren die Türme unserer Heimat, die uns unvergeßliche Rundblicke über unsere liebe Grafschaft Glatz gewährten und die schönsten Einblicke in seine vielfältige Landschaft boten.
In der „Landeskunde der Grafschaft Glatz“ von Aloys Bematzky (Marx Verlag Leimen 1988) sind 14 Aussichtstürme aufgeführt. Eine entsprechende Aufstellung enthält auch das „Lexikon der Grafschaft Glatz“ vom selben Verfasser (Marx Verlag Leimen 1994, jetzt „Grafschafter Bote“, Lüdenscheid).
Diese Türme wollen wir nun im Zuge einer imaginären Rundwanderung durch unsere verlorene Heimat aufsuchen.
Zuvor sei noch an den wohl ältesten bekundeten „Aussichtsturm“ von Glatz, den sog. Heidenturm in der damaligen oberen Schloßanlage erinnert. Dieser mit einem Wehrgang versehene Wartturm wurde nach Bematzky im Jahre 1627 durch Blitzschlag zerstört. Der Turm ist in der wohl ältesten Abbildung von Glatz um 1536 der Reisebilder von Pfalzgraf Ottheinrich sichtbar und im Beitrag von Manfred Spata „Stadtansichten von Glatz“ im Häämtebärnla 2004 erwähnt. Auch in der bekannten Glatz-Abbildung von Merian in der Topographia Bohemiae et Silesiae ist er gut zu erkennen und in der Legende des Bildes als „Heidnischer Turm“ bezeichnet.

Heidenturm in Glatz
Der Heidenturm in Glatz (erläutert im Lexikon der Grafschaft Glatz von Bematzky auf Seite 104, sichtbar auf der vermutlich ältesten Abbildung von Glatz um 1536 der Reisebilder von Pfalzgraf Ottheinrich, erwähnt von Spata im Häämtebärnla 2004 auf Seite 57 und 61 sowie in der bekannten Merian- Abbildung mit Legende).

GGV-Turm auf dem Schäferberg
GGV-Turm auf dem Schäferberg bei Glatz
(Skizze von A. Klein im Häämtebärnla 1999, Seite 11)

Auf dem Schäferberg bei Glatz (350 m) hatte der Glatzer Gebirgsverein einen hölzernen Aussichtsturm errichtet, der Anfang der 1930er Jahre abgebrochen wurde und den ich als Junge noch gekannt habe. Auch der Aussichtsturm auf dem Königshainer Spitzberg, dem Hausberg der Glatzer, ist vom GGV errichtet Ansicht vom Königshainer Spitzberg bei Glatz mit Turm worden. Er wurde nach dem Ehrenmitglied Emil Gießer aus Glatz „Gießerturm“ benannt. Die schöne Skizze des Turms von dem Graphiker Alfred Klein, dessen künstlerisches Schaffen von Nina Hötzel-Strauch im Lexikon der Grafschaft Glatz gewürdigt wird, läßt die Holzkonstruktion des 1927 neu errichteten Turms, von dem man eine prächtige Rundsicht hatte, gut erkennen.

Königshainer Spitzberg bei Glatz
Ansicht vom Königshainer Spitzberg bei Glatz mit Turm

„Gießerturm“ auf dem Königshainer Spitzberg
Skizze vom „Gießerturm“
auf dem Königshainer Spitzberg von Alfred Klein
(Wieża widokowa na Ostrej Górze)

Der im Bieletal gelegene schöne Ort Eisersdorf wird von der Weißkoppe (518 m) überragt, auf dem sich auch ein Aussichtsturm befand. Der Turm stand seitlich der Straße von Glatz nach Habelschwerdt unweit von Meiling. Der erste 1889 erbaute Turm wurde bei einem Unwetter zerstört. Er wurde 1925 von den GGV-Ortsgruppen Eisersdorf, Rengersdorf und Grafenort durch einen 22 Meter hohen Holzturm ersetzt, von dem man einen herrlichen Blick sowohl in die untere wie in die obere Grafschaft und ihre Berge hatte. Der Weißkoppenturm war ein beliebtes Ziel von Klassenwanderungen. Eine schöne Skizze des Turms von Alfred Klein ist im „Häämtebärnla“ 1999 zu finden. Sie gibt Auskunft über seine Konstruktion.

Eisersdorf mit Weißkoppe und Turm
Eisersdorf mit Weißkoppe und Turm

Weißkoppenturm
Weißkoppenturm (Wieża widokowa na Wapniarce)
(Skizze von Klein im Häämtebärnla 1999, Seite 13)

Gerhard Veith erwähnt in seinem Bericht „Die Heidelkoppe bei Landeck“ im Glatzer Heimatbuch „Vom Schneeberg zur Hohen Eule“ (Marx Verlag Leimen 1975), daß auf der Heidelkoppe (900 m), dem östlichen Eckpfeiler des Reichensteiner Gebirges, neben dem Koppen-Schutzhaus (abgebildet im „Häämtebärnla“ 2004 in „Unsere Bauden“) „bereits im Jahre 1908 der erste 15 Meter hohe Aussichtsturm aus Holz errichtet wurde“, der aber schon zu meiner Zeit nicht mehr existierte. Eine Abbildung davon konnte ich leider nicht ausfindig machen.
Auf dem Glatzer Schneeberg (1425 m), der höchsten Erhebung der Grafschaft Glatz, stand der in den Jahren 1894 bis 1899 von dem Stadtbaurat Gießer nach Plänen des Breslauer Architekten Henry erbaute 33 Meter hohe massive Kaiser-Wilhelm-Turm. Obwohl der Initiator und Erbauer dieses ungewöhnlichen Doppelturms der GGV war, ging der Turm erst 1924 in seinen Besitz über. Dieser markante und höchstgelegene Turm der Grafschaft Glatz wurde sommers wie winters gern und viel besucht, obwohl die Aussicht von ihm wetterbedingt nur selten gut oder überhaupt möglich war. Im Winter war er oft so stark vereist, daß er nicht begehbar war.

Schneebergturm mit Bauschäden um 1973
Schneebergturm mit Bauschäden um 1973, Foto: Prause
(Wieża widokowa na Śnieżniku)

Gedenktafel für den Schneebergturm
Foto: Hübner 2003

Trümmer des Schneebergturms 1992
Trümmer des Schneebergturms 1992

Die extremen klimatischen Verhältnisse dieser Höhenlage führten, da er nach unserer Vertreibung nicht mehr die nötige Wartung erhielt, bald zu umfangreichen Bauschäden, wie sie auf dem Bild von Landsmann Prause gut erkennbar sind (1972), so daß der Turm am 11. Oktober 1973 von den Polen wegen Baufälligkeit gesprengt wurde. Heute erinnert nur noch ein großer Steinhaufen an dieses einmalige Wahrzeichen unserer Heimat. Neuerdings ist hier ein Relief, das den Kaiser-Wilhelm-Turm darstellt, mit den Daten 9. 7. 1899 – 11. 10. 1979 angebracht worden. Hübner
Das „Häämtebärnla“ 1999 enthält einen lesenswerten Bericht von Max Reimann (fr. Bad Landeck) über die „Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Turmes auf dem Glatzer Schneeberg“.
Unser Landsmann Jürgen Schölzel hat in seinem Büchlein „Standhaft und treu“ (Marx Verlag Leimen 1977) eine Fülle interessanter Details aus dem Leben des Glatzer Schneebergturms vom Werden bis zum Vergehen zusammengetragen und kommentiert. Leider ist diese lebendig geschriebene Chronik des Schneebergturmes inzwischen vergriffen.
Im Jahre 2001 wurde auf dem Schwarzen Berg (1204 m) oberhalb Heudorf ein hölzerner Aussichtsturm errichtet. Obwohl dieser Turm, dessen Foto ich unserem Landsmann Güttler verdanke, vom neuen Hotel „Schwarzer Berg“ in Heudorf mit einem Sessellift bequem erreichbar ist und eine gute Aussicht bietet, ist er doch nur ein bescheidener Ersatz für unseren Schneebergturm.

Neuer Turm auf dem Schwarzen Berg bei Heudorf
Neuer Turm auf dem Schwarzen Berg bei Heudorf, Foto: Güttler
(Wieża widokowa na Czarnej Górze)

Auf der gegenüberliegenden Seite des Glatzer Gebirgskessels ist der Aussichtsturm auf der Hohen Mense (1084 m), privat errichtet von Heinrich Rübartsch, dem Erbauer und Wirt der Mensebaude, zu erwähnen. Der Turm ist auf dem Bild von der Mensebaude im „Häämtebärnla“ 2004 bei „Unsere Bauden“ im Hintergrund zu erkennen. Ein besseres Bild von seinem Aussehen vermittelt uns die Zeichnung von Alfred Klein im Kalendarium des „Häämtebärnla“ 1999. Beide, Turm und Baude, existieren nicht mehr. Heute lassen sich kaum noch Spuren davon finden.

Mense-Turm im Winter
Klein-Skizze vom Mense-Turm im Winter (Wieża widokowa na Orlicy)

In der eingangs erwähnten Auflistung der Aussichtstürme in der Grafschaft Glatz von Bernatzky ist auch ein Turm bei den Seefeldern bei Grunwald aufgeführt, der dem Aussehen nach wohl weniger ein Aussichtsturm als ein jagdlich genutzter gut ausgebauter Ansitz gewesen ist.

Turm auf den Seefeldern bei Grunwald
Turm auf den Seefeldern bei Grunwald
(erwähnt von Bernatzky i. d. Landeskunde der Grafschaft Glatz, S. 113)

Eine Besonderheit ist der Aussichtsturm auf der Karlsplatte (503 m) bei Birkhagen. Dieser, das Foto verdanke ich unserem Landsmann Günter Siegel, wurde in der Sudetenkrise am Rande der steil abfallenden Karlsplatte vom Grenzschutz zur Beobachtung des Bunkerbaus auf der tschechischen Seite errichtet, nach dem „Anschluß“ des Sudetenlandes aber auch als Aussichtsturm benützt.

Beobachtungsturm auf der Karlsplatte bei Birkhagen
Beobachtungsturm auf der Karlsplatte bei Birkhagen

Auf der höchsten Erhebung der Heuscheuer, dem Großvaterstuhl (919 m) befand sich statt eines Turmes eine Aussichtskanzel, von der man eine großartige Rundsicht hatte. Zugang und Gestaltung der Plattform sind in der Zeichnung von Alfred Klein im „Häämtebärnla“ 1999 gut zu sehen.

Aussichtsplattform auf dem Großvaterstuhl in der Heuscheuer
Aussichtsplattform auf dem Großvaterstuhl (Tron Karkonosza) in der Heuscheuer

Der Hausberg von Neurode, der Annaberg (674 m), wurde von der GGV-Ortsgruppe Neurode mit dem 1911 errichteten massiven Aussichtsturm gekrönt. Sein Aussehen vermittelt uns die Skizze von Alfred Klein im „Häämtebärnla“ 1999. (Siehe besonderen Bericht Seite 127)
Dem Bergrücken Richtung Schlegel folgend, stoßen wir auf dem Allerheiligenberg (648 m), den die Schlegler Kirchelberg nennen, den 1913 von der GGV-Ortsgruppe Schlegel errichteten massiven Moltketurm unmittelbar neben der Lukasbaude. Ein Bild davon ist in dem Beitrag „Unsere Bauden“ im „Häämtebärnla“ 2004 zu finden. Während der Turm heute noch steht, existiert die Lukasbaude nicht mehr. Sie wurde dem Erdboden gleichgemacht. Allerdings zeigt der Moltketurm heute schon erhebliche bauliche Schäden, so daß ihm in absehbarer Zeit wohl das gleiche Schicksal wie dem Schneebergturm droht.
Auf dem Königswalder Spitzberg (758 m) wurde 1927 vom Kreis Neurode mit Unterstützung des GGV ein Aussichtsturm gebaut und Hindenburg-Turm benannt. Über dessen Aussehen gibt uns die Skizze von Alfred Klein im Kalendarium des „Häämtebärnla“ 1999 Auskunft. Heute existieren nur noch Reste des Turmes.

Königswalder Spitzberg mit Hindenburg-Turm
Königswalder Spitzberg mit Hindenburg-Turm

Königswalder Spitzbergturm 1991
Königswalder Spitzbergturm 1991, Foto: Hübner

Der vom Verband der Gebirgsvereine auf der Hohen Eule (1014 m) errichtete massive Bismarckturm gewährte eine prächtige Aussicht nach allen Seiten bis weit ins schlesische Land hinein. Auch er war im Winter meist stark vereist. Bei meinem letzten Besuch war der Zugang zum Turm wegen Baufälligkeit gesperrt, so daß auch sein Schicksal besiegelt zu sein scheint.
Bei einer Wanderung im Mai 2004 konnte der Turm gegen ein Entgelt von 2 Zloty bestiegen werden. Offensichtlich wird er nur sporadisch zum Besteigen freigegeben. Der Eigentümer der Eulenbaude, Herr Herha Königswalder Spitzbergturm aus Volpersdorf, erklärte, daß sich der derzeitige Pächter des Turms um eine Renovierung bis 2006 zum 100jährigen Bestehen bemühen will. Bis jetzt ist hiervon noch nichts zu erkennen. (Hübner)

Bismarckturm auf der Hohen Eule
Bismarckturm auf der Hohen Eule

Auf der Kammwanderung von der Hohen Eule Richtung Silberberg erreichen wir oberhalb von Hausdorf auf dem Sonnenstein (962 m) einen weiteren Hindenburgturm, errichtet vom Eulengebirgsverein Langenbielau 1930. Er ist gut erhalten heute noch begehbar und bietet wie der Bismarckturm einen herrlichen Rundblick. Über seine Geschichte und die seiner Vorgänger berichtet Heinz Wittwer im Häämtebärnla 2001, Seite 134.

Hindenburgturm auf dem Sonnenstein
Hindenburgturm auf dem Sonnenstein

An den Ausgangsort unserer Rundreise nach Glatz zurückgekehrt, besuchen wir noch den wuchtigen Observationsturm auf dem Donjon der Festung Glatz, der den Krieg und die Nachkriegswirren einigermaßen unversehrt überstanden hat. Leider fehlt ihm heute das Symbol unserer Heimat, die Statue des Johannes von Nepomuk, des beliebten Brückenheiligen in der Grafschaft Glatz und ganz Böhmens. Diese Statue soll im Sommer 1945 bei einem Unwetter über Glatz herabgestürzt sein und ist seither verschollen. Seine Fragmente konnten bisher nicht ausfindig gemacht und geborgen werden, was wegen der Beliebtheit dieses historischen Kunstwerkes sehr bedauerlich ist. Alle meine Nachforschungen nach ihm waren erfolglos. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil der Donjon und sein Umfeld heute militärisches Sperrgebiet ist.

Observationsturm auf dem Donjon der Festung Glatz
Observationsturm auf dem Donjon der Festung Glatz

Zur Geschichte der Nepomuk-Statue mag interessieren, daß in der „Geschichte der Festung Glatz“ von Eduard Köhl (Holzner Verlag 1975, Nachdruck im Gemeinschaftsverlag Grafschafter Bote und Marx Verlag 1994) berichtet wird, daß diese Statue, die früher auf der Brücke zum Feldtor der Festung stand, auf Geheiß von Friedrich dem Großen im Zuge des Umbaus der Festung auf dem Observationsturm aufgestellt wurde. Man tat dies wohl, aber mit dem Gesicht des Hl. Nepomuk nach Schlesien gerichtet. Dies bemerkte der König bei seinem nächsten Besuch der Festung und sagte: „Es ist nicht recht, daß er (der Hl. Nepomuk) das Gesicht nach Schlesien kehrt, hier hat er nichts zu tun“, woraufhin die Statue umgedreht wurde mit dem Gesicht nach Böhmen, wie sie bis in unsere Tage stand. Seitdem der heilige Johannes von Nepomuk dort nicht mehr steht, ist uns auch dieses Wahrzeichen unserer Heimat fremd geworden.

Abschließend zu meinen Ausführungen über „Unsere Aussichtstürme“ ergeht die Bitte an alle Leser um Mitteilung, wenn Sie Korrekturen oder Ergänzungen zu dem Thema haben, um mein Wissen darüber aktualisieren zu können.

Die entsprechende Bitte bei meinem Beitrag „Unsere Bauden“ (Häämtebärnla 2004) hatte zur Folge, daß mir Abbildungen von mehreren Bauden zugegangen sind, womit ich mein Foto-Archiv ergänzen konnte und die hier zum Teil veröffentlicht werden sollen:

Leedenbaude, Kunzendorf bei Neurode
Leedenbaude, Kunzendorf bei Neurode

Grenzendorfer Höhenbaude
Grenzendorfer Höhenbaude, hatte den Krieg überstanden, wurde später mutwillig abgebrannt.

Hahnkoppenbaude
Hahnkoppenbaude, Zeichnung Hermann Günzel

Hubertusbaude bei Rothflössel
Hubertusbaude bei Rothflössel

Margaretenbaude im Kohlauer Tal
Margaretenbaude im Kohlauer Tal

Hohndorfer Gebirgsbaude (am Heidelberg)
Hohndorfer Gebirgsbaude (am Heidelberg)

Hermann-Stehr-Baude bei Hüttenguth
Hermann-Stehr-Baude bei Hüttenguth

Zeisigwiesenbaude bei Bad Reinerz
Zeisigwiesenbaude bei Bad Reinerz

Erste Volpersdorfer Plänel-Baude
Erste Volpersdorfer Plänel-Baude

Zweite Volpersdorfer Plänel-Baude
Zweite Volpersdorfer Plänel-Baude, errichtet 1932, bei Kriegsende zerstört

Skihütte „Langenbielau“ in Hausdorf-Oberberg
Skihütte „Langenbielau“ in Hausdorf-Oberberg

Ein aufmerksamer Leser weist darauf hin, dass die Rabenkoppenbaude (Häämtebämia 2004, Seite 83) nicht an der Straße von Kudowa zur Heuscheuer, sondern im Dörnikauer Tal an der Straße von Gellenau nach Dörnikau lag und daß es früher an dem Feldweg von hier zur Heuscheuer noch eine Kreuselbaude gegeben hat.
Gegenüber der noch vorhandenen Skihütte „Langenbielau“ in Oberhausdorf, unterhalb der früheren Zimmermannsbaude am Hausdorfer Kreuz, haben Polen eine neue Baude im „Tatra-Stil“ errichtet. Sie ist aus Buchenstämmen gebaut und nennt sich deshalb „Buchenhütte“ (polnisch: Bukowa Chata). Die Baude wurde Anfang 2004 in Betrieb genommen und macht einen hervorragenden Eindruck.

Bukowa Chata
 
Bukowa Chata
Fotos: Dieter Deptolla, Mai 2004

Ob es hier zu einem „Baudenzauber“, von dem Walter Großpietsch in seinem Büchlein „Unser Eulengebirge – Eine Kammwanderung“ erzählt und zeichnet, kommen wird, bleibt abzuwarten:

„Baudenzauber“ von Walter Großpietsch

Wenn von „Bauden“ gesprochen wird, dann erinnern wir uns sofort an die gemütlichen, häufig aus Holz errichteten schlesischen Gebirgsherbergen. Anfangs waren es einfache Hütten, die nur während der Sommermonate für Gebirgsbewohner und ihr Vieh eine Unterkunft boten. Später wurden daraus die beliebten Berggasthöfe, verschiedentlich auch schon modernere Hotelbetriebe.
Im Eulengebirge waren sie im Vergleich zu anderen Gebirgszügen Schlesiens erst relativ spät entstanden, dann jedoch in verstärktem Maße, dies bedingt durch d.e hohe Bevölkerungsdichte der angrenzenden Kreise Reichenbach, Waldenburg und Neurode sowie die mehr allzugroße Entfernung Breslaus.

„Baudenzauber“ von Walter Großpietsch

Wenn’s in den Bergen dunkelte und kühl wurde, dann zog es den Wanderer in die Baude. Der wuchtige Kachelofen strahlte ihm seine wohltuende Wärme entgegen Heimelig wirkten zudem die rustikale Balkendecke, die hölzernen Fassaden an den Wänden und das monotone Ticken der Pendeluhr. Über allem lag ein angenehmer Duft von Kaffee, Erbswurst, Kroatzbeere und Bier. Mittendrin, hemdsärmelig und emsig, der Baudenwirt: Gastgeber, Freund und Vertrauter zugleich Und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis man - oft dicht gedrängt - bei Akkordeonmusik, Tanz und gemeinsamem Gesang fröhlich beieinander saß.

Prof. Dr. Heinz Marx (Glatz) Mainz
Ergänzungen: Hubert Hübner

aus: Grofschoaftersch Häämtebärnla 2005

 

Der Neuroder Annaberg und seine Aussichtstürme

Selten konnte eine Erhebung so die Bezeichnung „Hausberg“ in Anspruch nehmen wie der Annaberg für die Neuroder und die Menschen in deren Nachbargemeinden. Neurode „... hoat siech oa dan huucha Kechel droagelahnt...“ sagt Robert Karger in einem seiner mundartlichen Heimatgedichte von der Stadt, die in einem tiefen Kessel, auf allen Seiten von Bergen umgeben, eingebettet liegt. Aber die höchste (650 m) und markanteste Kuppe davon ist eben der Annaberg. Auf ihn zog es Jung und Alt aus allen Bevölkerungsschichten immer und immer wieder. Spaziergänge zu jeder Jahreszeit, selbst im Winter mit dem Schlitten, zum Tanz in das volkstümliche Wittig-Gasthaus „Zur Roten Höhe“, zum Kaffee-Nachmittag in die bürgerliche Annabaude sowie zu den Andachten in die vom Einsiedler Felix betreute Annakapelle (s. Häämtebärnla 1999 und 2000). Höhepunkt war jedes Jahr das Annafest am 1. Sonntag nach dem 26. Juli. Nach den feierlichen Gottesdiensten erfreuten sich Tausende an dem bunten Treiben auf dem Gelände vor der Kapelle. Verkaufsstände sorgten für Naschereien, Leckereien und Andenken. Tradition waren die „Poaschtiesche“, bei denen um mit Schokolade überzogene Pfefferkuchenherzen gewürfelt wurde. Jauch’sche Millionen wurden da noch nicht ausgespielt und ausgeraten.

Neuroder Annaberg mit Annaturm
Neuroder Annaberg mit Annaturm

Aber aus welchem Anlaß man auch den Berg bestieg, keiner hat wohl versäumt, den herrlichen Blick weit in die Grafschaft und darüber hinaus, der sich ihm hier bot, wahrzunehmen: Nördlich der grüne Wall des Eulengebirgskammes, nach Westen der Königswalder Spitzberg, die Waldenburger Kuppen, dahinter die Schneekoppe, die höchste Erhebung des Riesengebirges, daneben hinter der nahen Grenze im Böhmischen das Braunauer Ländchen, weiter nach Süden der „Sargdeckel“ der Heuscheuer und dann das Mensegebirge, nach Osten unser Glatzer Schneeberg und die Gipfel in seiner Nachbarschaft und als unmittelbarer Nachbar der Schlegeler „Kerchlaberg“ und dahinter in der Ferne der Königshainer Spitzberg. Die Hügel und Täler und Dörfer dazwischen sind kaum aufzuzählen.
Am eindrucksvollsten war dieser Rundblick vom Annaturm. Ungestört durch Baumgruppen konnte man dieses herrliche Panorama in sich aufnehmen. Erbaut wurde der Turm im Jahre 1911. Am 11.6. erfolgte die Grundsteinlegung und am 29. 10. konnte er bereits eingeweiht werden. Er wurde aus dem Rotsandstein errichtet, der für das Gebiet typisch ist und der in einem Steinbruch in der nahen Kolonie Neusorge gebrochen wurde. Seine Höhe betrug 23 m, 81 Stufen führten zur Aussichtsplattform. Die Turmhaube darüber wurde von 8 Säulen getragen. Die nach allen Seiten offene Schutzhalle am Fuß maß 8,5 x 11,5 Meter. Josef Wittig spricht in seiner Neuroder Chronik (S. 456) von einem „der schönsten Weitblicke des deutschen Vaterlandes“.

Neuroder Annaberg um 1900
Neuroder Annaberg um 1900

Aber wie war es vor 1911? Auf einer alten Ansichtskarte, die am 31. 5. 1901 geschrieben wurde, sieht man auf der Bergspitze undeutlich etwas stehen. Oder war es nur eine Baumgruppe? Selbst in der umfangreichen Chronik von Wittig war kein Hinweis zu finden. Nun brachte eine andere alte Postkarte die Antwort. Geschrieben wurde sie am 5. 8. 1900. Und sie zeigt den „Aussichtsturm“ auf dem Annaberg bei Neurode, also den Vorgänger des uns bekannten Turmes, der bereits in den Jahren um 1890 den damaligen Besuchern des Berges den herrlichen Rundblick ermöglichte. Das Aussichtsgerüst war nicht so massiv wie der neue Turm, aber der stabile Bau mit seiner breiten Plattform wirkt eleganter als die Holzgerüste zu damaliger Zeit auf der Hohen Eule oder auf der Sonnenkoppe. Sicher werden auch andere Heimatverbundene diese Entdeckung mit Interesse aufnehmen.
Wenn auch der Annaturm bereits seit Jahrzehnten für Fernsehzwecke „entfremdet“ ist und nicht mehr bestiegen werden darf und der Panoramablick dadurch eingeschränkt ist, ist doch die Fernsicht auch heute beeindruckend und der Besuch des Berges jedem Heimattouristen sehr zu empfehlen. Eilige oder diejenigen, denen eine Wanderung zu beschwerlich ist, können mit dem Auto bis zur Kapelle fahren. Eine enge Fahrstraße zweigt links neben dem ehemaligen Schützenplatz mit dem heutigen Kulturhaus ab und ist ausgeschildert (ul. Góra Anny).

Heinz Wittwer (Kunzendorf b. Neurode), Leipzig

aus: Grofschoaftersch Häämtebärnla 2005

 

 

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Erste Version vom 28.07.2020, letzte Aktualisierung am 28.07.2020.