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Aktuelle Nachrichten aus der Grafschaft Glatz

 

Dr. Ing. Dieter Pohl (1934-2020):
Ein hochverdienter Grafschafter

Am 15. August 2020 verstarb in Köln Dr. Ing. Dieter Pohl im Alter von 86 Jahren. Seine Familie und Freunde haben ihm das letzte Geleit zur Ruhestätte auf dem Friedhof Melaten gegeben. Großdechant Prälat Franz Jung hat in der Pfarrkirche St. Aposteln den Trauergottesdienst und in der Friedhofskapelle die Trauerfeier gehalten.
Alle Landsleute, die ihn in den vielen Jahren seiner mannigfachen und ausgedehnten Arbeiten zunächst in der Familienforschung und dann für die Geschichte und Kultur der Grafschaft Glatz begleitet haben, müssen nun endgültig von Dieter Pohl Abschied nehmen, nachdem ihn im Jahre 2014 bereits eine schwere Erkrankung gezwungen hatte, sich zurückzuziehen. Zurück läßt er einen überaus reichhaltigen Fundus an archivalischem und bibliographischem Schrifttum sowie eine Vielzahl von Beiträgen zu historischen und kulturellen Themen unserer Heimat. Für die letzten von ihm selbst redigierten und herausgegebenen AGG-Mitteilungen Nr. 13 (2014) hat er eine Zusammenstellung seiner 56 Publikationen verfaßt. Eine eindrucksvolle Leistung! Diese Arbeiten reihen sich an das Werk so verdienstvoller Grafschafter Geschichtsforscher wie Joseph Kögler und Franz Volkmer an, um nur diese zwei Vorgänger zu nennen. Seine Veröffentlichungen können für alle Zeiten aus der Glatzer Heimatgeschichtsforschung nicht hinweggedacht werden.
Zu seinem 80. Geburtstag hat Dieter Pohl einen bebilderten Lebensbericht unter dem Titel „Aus meinen 80 Jahren“ verfaßt (August 2013). Dieser gibt authentisch Auskunft über seinen Lebensweg von Hirschberg, seit 1946 in der niedersächsischen Grafschaft Hoya nicht weit von Bremen, dem Studium der Elektrotechnik an den Technischen Hochschulen Braunschweig und Aachen ab 1954, der Promotion zum Dr. Ing. und der erfolgreichen Berufstätigkeit bei der Robert Bosch GmbH, die im Jahre 1994 endete. Auch über die Fahrten nach Schlesien und die Arbeitsaufenthalte in der Grafschaft und in Breslau wird darin ausführlich berichtet.
Dieter Pohl hat mannigfache Ehrungen für sein Engagement erfahren. So wurde ihm im Jahre 2004 vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, und zu seinem 70. Geburtstag in demselben Jahr erhielt er die Festschrift „Glaciographia Nova“ in der Herausgeberschaft von Prof. Dr. Arno Herzig, Hamburg. Prof. Dr. Joachim Köhler, Tübingen, hat aus diesem Anlaß die Forschungsarbeit von Dieter und Elsbeth Pohl im Archiv für schlesische Kirchengeschichte (Band 62, 2004, S. 243 ff.) eingehend gewürdigt. In anderen Publikationen schlossen sich weitere Laudatoren an. Die von Dieter Pohl 2001 gegründete und bis 2014 geleitete Arbeitsgemeinschaft Grafschaft Glatz - Kultur und Geschichte - ernannte ihn zu ihrem Ehrenmitglied.
Sein lang anhaltender Impetus für die Grafschaft Glatzer Sache und für Schlesien war für manchen von uns vorbildlich. Er wird weiter wirken und unsere Tätigkeit auch zukünftig begleiten. In diesem Sinne nehmen wir keinen Abschied von Dieter Pohl.

Prof. Dr. Klaus Hübner
in: Grafschafter Bote, 10/2020

 

Dr.-Ing. Dieter Pohl
Dr.-Ing. Dieter Pohl †
 

Am 15. August 2020 verstarb in Köln
der schlesische Heimatforscher
Dr.-Ing. Dieter Pohl
im Alter von 86 Jahren.

Dieter Pohl wurde am 1. März 1934 in Hirschberg (Riesengebirge) geboren. Seine Familie kam nach der Vertreibung 1946 in ein Dorf südlich von Bremen.

Der Diplomingenieur für Elektrotechnik wurde 1974 zum Dr.-Ing. promoviert. Von 1977 war er bis zu seiner Pensionierung 1994 bei der Robert Bosch GmbH tätig, zuletzt in der Position eines Abteilungsdirektors.
 

Seit 1973 entwickelten sich seine Interessen für Genealogie und schlesische Heimatgeschichte mit der Erforschung seiner Vorfahren in Niederschwedeldorf in der Grafschaft Glatz (Szalejów Dolny). Ab 1981 begann er mit der umfassenden Aufgabe, alle noch vorhandenen deutschen Kirchenbücher der Grafschaft Glatz (ca. 1.300 Exemplare) zu ermitteln, die nicht nur in den dortigen Pfarreien, sondern auch im Staatsarchiv Breslau (Archiwum Państwowe we Wrocławiu) und im Erzbischöflichen Diözesanarchiv Breslau (Archiwum Archdiecezjalne we Wrocławiu) vorhanden sind. Als Ergebnis brachte er den Band „Die Kirchenbücher der Grafschaft Glatz“ 1996 in seinem eigenen Dr. Dieter Pohl Verlag heraus, in dem später weitere Geschichtsquellen der Grafschaft Glatz erschienen.

1986 gründete er die genealogisch orientierte Forschungsgruppe Grafschaft Glatz (FGG), die er bis 2001 leitete. 2001 gründete er die kulturell und kirchenhistorisch orientierte Arbeitsgemeinschaft Grafschaft Glatz – Kultur und Geschichte (AGG) deren jährliche Tagungen in Münster durchgeführt wurden. Nach seinem 80. Geburtstag übergab Pohl die Leitung der AGG am 26./27. April 2014 an Klaus Hübner. Die Gruppe hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 60 Mitglieder, darunter neun aktive oder emeritierte Hochschullehrer. Unter Pohls Leitung publizierte die AGG von 2002 bis 2014 dreizehn Ausgaben der AGG-Mitteilungen.

Er gab weiterhin die Ortschroniken des aus Lewin stammenden Pfarrers Joseph Kögler heraus (5 Bände), verfasste eine Bibliographie und mehr als 50 kulturhistorische Arbeiten über die Grafschaft Glatz und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt ihres kulturellen Erbes.

Pohl war Mitglied des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands und ordentliches Mitglied der Historischen Kommission für Schlesien, Mitglied des Vereins für Geschichte Schlesiens und Mitglied des Kuratoriums und des Vereins der Freunde und Förderer der Stiftung Kulturwerk Schlesien.

2004 wurde ihm für seine Verdienste als ehrenamtlicher Geschichtsforscher der Grafschaft Glatz das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Quellen: extern https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Pohl_(Heimatforscher)
und eigene Ergänzungen des Herausgebers

 

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Erste Version vom 08.09.2020, letzte Aktualisierung am 09.09.2020.